Interview mit Lukas Welscher (20) Lokführer

Interview mit Lukas Welscher (20) Lokführer

Interview mit Lukas Welscher (20) Lokführer

 

Hallo Lukas,

 

vielen Dank, dass du dich für ein Interview bereit erklärt hast.

Wir sind ständig auf der Suche nach Persönlichkeiten und da wurden wir auf dich aufmerksam.

 

Könntest du dich bitte vorstellen? Hallo, ich heiße Lukas und bin 20 Jahre jung. Ich wohne zusammen mit meiner Freundin im beschaulichen Hof (Bayern) und arbeite als Triebfahrzeugführer bei der SETG Salzburg.

 

Seit wie vielen Jahren übst du den Beruf aus und wo siehst du dich in 10 Jahren? Im September 2018 habe ich meine Ausbildung bei der DB Cargo AG in Nürnberg begonnen und nach 3 Jahren, genauer gesagt im Juli 2021, erfolgreich abgeschlossen. In 10 Jahren sehe ich mich evtl. als Tf im Personenverkehr, bzw. als Ausbilder für angehende Lokführer/innen.

 

Was bedeutet es für dich, Eisenbahner zu sein? Eisenbahner zu sein heißt, wie in einer großen Familie zu sein. Man kennt sich zwar nicht immer, aber trotzdem fühlt es sich so an, als würde man jeden schon seit Kind auf kennen. Es bedeutet aber auch Verantwortung zu übernehmen, Spaß an der Arbeit zu haben und zu jeder Sekunde hochkonzentriert zu sein.

 

Was hast du vor deiner Tätigkeit gemacht und bereust du es, Eisenbahner zu sein? Vor meiner Ausbildung habe ich ganz normal die Realschule besucht und dort 2018 meine Mittlere Reife erworben. Nach meiner Ausbildung bin ich direkt zu einer kleinen Privatbahn in Sachsen – Anhalt. Aufgrund einiger nicht ganz so humaner Arbeitszeiten hat es mich dann Ende letzten Jahres wieder in meine alte Heimat verschlagen. Seit Januar 2022 fahre ich nun für die SETG Salzburg und es macht richtig Spaß Teil dieser Firma zu sein. Bereut habe ich meine Entscheidung Lokführer zu werden keine einzige Sekunde – es war goldrichtig diesen Weg zu gehen.

 

Was war dein schlimmstes Ereignis im Beruf, dass dir noch bis heute im Gedächtnis geblieben ist? Mein schlimmstes Ereignis: Ich musste mal einen Bahnübergang in Erlangen, auf dem Weg in den Hafen manuell sichern. Genau in dem Moment als die Schranke sich schloss, kam ein Linienbus und rammt die Schranke frontal. Zum Glück wurde niemand verletzt, sondern alle sind mit einem Schrecken davongekommen.

 

Was war dein schönstes Ereignis, dass dir noch bis heute im Gedächtnis geblieben ist? Das war, als ich das allererste Mal selbst Lok fahren durfte. Das war damals in Schwandorf zusammen mit unserem Ausbilder. Für die, die es interessiert: Es war eine Class 66. Einfach ein unbeschreibliches Gefühl, wenn ein Kindheitstraum wahr wird und man selbst so ein tonnenschweres Gefährt bewegen darf.

 

Was war das kurioseste was dir in deiner Dienstzeit passiert ist? Da kann ich mich noch gut dran erinnern. Das war in meiner Ausbildung.  Auf der Fahrt von Nürnberg nach Würzburg ist uns in Emskirchen die PZB der 294 plötzlich ausgefallen und keiner wusste warum. Selbst unser erfahrener Ausbildung wusste nicht was die Ursache gewesen ist. Wenn man die Fahrtrichtung verlegt hat, hat die Lok immer angefangen Zwangsbremsungen auszulösen. Bis Würzburg ging es dann mit 50 km/h weiter. Es hat sich im Nachhinein herausgestellt das der PZB – Magnet an der Lok kaputt war.

 

Welche 3 Dinge würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen?  Auf jeden Fall ein Taschenmesser. Außerdem würde ich einen Radio mitnehmen. So kann man wenigstens mal ein wenig Musik hören und es wird nicht ganz so langweilig. Mehr fällt mir grad nicht ein.

 

Wenn du die Zeit zurückdrehen könntest, welches Jahr würdest du auswählen und warum? Ich würde ins Jahr 1965 zurückreisen. Dort wurde die erste 103er gebaut. Eine, wie ich finde, der schönsten Loks die es gibt. Auf der Abnahmefahrt wäre ich gerne dabei gewesen. Die würde ich in der Gegenwart gerne mal selbst fahren… Vielleicht ergibt sich ja irgendwann nochmal die Chance.

 

Was kannst du Menschen auf den Weg geben, die auch Eisenbahner werden möchten? Mein Ratschlag: Wer sich für die Eisenbahn interessiert und auch anstrebt Eisenbahner zu werden, der sollte diesen Schritt unbedingt gehen. Die Eisenbahn ist mittlerweile so vielfältig und abwechslungsreich. Kein Tag ist wie der andere. Jeden Tag lernst du neue Leute und Kollegen kennen. Und vor allem kommt man viel rum. Nutzt die Chance und werdet wie ich und viele andere, Teil einer der größten Familie in Deutschland. Nämlich die der Eisenbahner.

 

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Bei Fragen oder Bemängelung bitte eine Mail an :info@dereisenbahner.net

Foto: Privat von Lukas Welscher

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