Was der Stellenabbau bei DB Cargo für Mitarbeiter wirklich bedeutet

Was der Stellenabbau bei DB Cargo für Mitarbeiter wirklich bedeutet

Stellenabbau bei DB Cargo

Die Deutsche Bahn steckt in einer tiefen historischen Umbruchphase. Bis 2030 sollen im DB-Konzern zehntausende Jobs wegfallen, besonders hart trifft es aktuell die Güterverkehrstochter DB Cargo und die Verwaltung. Doch wie passt dieser massive Personalabbau zum allgegenwärtigen Fachkräftemangel? Wir dröseln das Chaos auf, lassen betroffene Mitarbeiter zu Wort kommen und erklären verständlich, wer sich jetzt Sorgen machen muss und warum Lokführer trotz der Krise sicher sind.

1. Die Krise bei DB Cargo: Fast jeder zweite Job in Gefahr

Die DB Cargo fährt seit Jahren hohe Verluste ein. Bislang hat der Mutterkonzern (die Deutsche Bahn AG) diese Defizite ausgeglichen. Doch damit ist jetzt Schluss: Die EU-Kommission verbietet diese Praxis aus Wettbewerbsgründen. DB Cargo muss ab sofort auf eigenen Beinen stehen und profitabel wirtschaften.

Der neue Sanierungsplan ist drastisch: Von den rund 14.000 Vollzeitstellen in Deutschland sollen 6.200 Arbeitsplätze gestrichen werden, dass entspricht fast 45 Prozent der Belegschaft! Betroffen sind nahezu alle Bereiche, von der Disposition über die Instandhaltung bis hin zum Fahrbetrieb.

Frust an der Basis: So ist die Stimmung bei den Mitarbeitern wirklich

Hinter diesen nüchternen Zahlen stehen Menschen, Existenzen und Familien. Wir haben mit Mitarbeitern aus verschiedenen Regionen gesprochen und Nachrichten erhalten, die ein erschütterndes Bild der aktuellen Unternehmenskultur zeichnen. Die Belegschaft fühlt sich im Stich gelassen:

  • Mangelnde Kommunikation: Ein Mitarbeiter aus dem Osten fasst die Lage drastisch zusammen: „Die Stimmung? Am Arsch… Informationen gibts nicht. Man hört alles nur über Dritte, Medien usw. Kein erkennbares Konzept.“
  • Tägliche Belastung: Die Unsicherheit zerrt an den Nerven. Ein Kollege berichtet: „Alle sind ein bisschen sauer bzw genervt und es macht vielen auch kein Spaß mehr.“ Er warnt davor, dass der geplante Abbau von weiteren 6.000 Stellen in eine „reine Katastrophe“ führen wird, da die Situation jetzt schon stark angespannt ist.
  • Verlust des Vertrauens: Einst galt die Bahn als krisensicherer Arbeitgeber. Das ist vorbei. Ein Kollege aus dem Süd-Westen schreibt: „Niemand hat mehr Vertrauen in die Firma. Der einst so sichere Beruf bei der Bahn steht allmählich auf der Kippe.“

2. Das große Paradoxon: Warum streicht DB Cargo Lokführer-Stellen, obwohl überall Personal fehlt?

Hier stoßen viele Beobachter auf einen massiven Widerspruch: Bei DB Cargo fallen Stellen im Fahrbetrieb weg, während die Bahn an anderer Stelle verzweifelt nach Fachkräften sucht. Wie ist das möglich?

Die Lösung liegt im Unterschied zwischen einer „Planstelle“ und dem tatsächlichen Mitarbeiter:
Weil DB Cargo sich künftig stärker auf das Ausland fokussiert und den unwirtschaftlichen Einzelwagenverkehr in Deutschland umbaut, werden auf dem Papier weniger Lokführer für Güterzüge benötigt. Diese Stellen werden im System gestrichen.

Die gute Nachricht für die Belegschaft: Die betroffenen Mitarbeiter landen nicht auf der Straße! Da bei den Personenzügen (DB Regio, DB Fernverkehr) ein extremer Fachkräftemangel herrscht, werden die operativen Fachkräfte konzernintern übernommen. Aus dem Güterzug-Lokführer wird so beispielsweise ein ICE- oder Regionalbahn-Lokführer. Die Position bei DB Cargo verschwindet – der Mensch behält seinen Job im Konzern.

3. Der Konzern-Umbau: 30.000 Jobs in der Verwaltung fallen weg

Das Problem beschränkt sich jedoch nicht auf den Güterverkehr. Nach Milliardenverlusten durch Streiks und eine marode Infrastruktur hat der Bahn-Vorstand bereits Mitte 2024 einen weitreichenden Sparkurs beschlossen: In den nächsten fünf Jahren sollen konzernweit weitere 30.000 Stellen abgebaut werden.

Dieser Abbau hat jedoch einen völlig anderen Schwerpunkt als bei DB Cargo: Hier trifft es fast ausschließlich die Verwaltung (den sogenannten Overhead). Um Kosten zu senken, plant die Bahn:

  • Digitalisierung & KI: Verwaltungsprozesse sollen automatisiert werden, wodurch Tausende reine Bürojobs überflüssig werden.
  • Führungskräfte-Abbau: In der Berliner Konzernzentrale soll rund ein Drittel der Management-Posten gestrichen werden, um Hierarchien abzuflachen.
  • Umbau bei Tochterfirmen: Auch bei der Netzgesellschaft DB InfraGO (Vorstandsverkleinerung) und dem IT-Dienstleister DB Systel (ca. 500 Stellen auf der Kippe) wird der Rotstift angesetzt.

Fazit: Wer gehen muss und wer dringend gebraucht wird

Die Deutsche Bahn baut sich aktuell radikal um. Zusammenfassend lässt sich sagen: Wer bei der Bahn einen Schreibtisch oder Management-Job hat, muss in den kommenden Jahren mit massiven Einschnitten rechnen. Auch für die Mitarbeiter von DB Cargo ist die aktuelle Zeit durch Planlosigkeit und enorme Existenzängste geprägt.

Wer jedoch im direkten Eisenbahnbetrieb arbeitet, also Züge fährt, in der Instandhaltung schraubt, Tickets kontrolliert oder als Fahrdienstleiter Weichen stellt –, hat nach wie vor einen der sichersten Jobs des Landes. Hier stellt die Bahn aufgrund des enormen Fachkräftemangels auch 2026 weiterhin massiv ein.

 

Gesamtquellen (Auswahl)

  • Deutsche Bahn – Geschäftsberichte & Konzernkommunikation 2023–2025
  • Europäische Kommission – Wettbewerbsrechtliche Entscheidung zu DB Cargo
  • Berichterstattung von Handelsblatt, Tagesschau, FAZ, Süddeutsche Zeitung (2024–2025)
  • Interne Mitarbeiter-Rückmeldungen an „Der Eisenbahner“ (anonymisiert)

 

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